Schminken in der Baubaracke:
Reportage über die RUD-Göttingen
Text/Fotos: Henning Zanetti
Die folgende Reportage stellt die Arbeit der RUD bei der Heidkopftunnelübung bei Friedland im Jahr 2006 da.
Es ist ein kühler und sternenloser Samstagabend im Dezember. In der Dunkelheit quält sich das Auto der Realistischen Unfalldarstellung des DRK Göttingen-Northeim mit Monika Zöllmer (45) und Yvonne Schneckenberger (23) einen steilen Hang am neuen Heidkopftunnel nahe des Ortes Friedland bei Göttingen hinauf. Links unterhalb des Weges sind wage die zwei in orangerotes Licht getauchten Portale des neuen Autobahntunnels der A38 auszumachen.
Einige Schlaglöcher später haben die beiden RUDlerinnen die mit kühlen Flutlicht beleuchteten Baubaracken am Kopf des Berges erreicht. Dort werden die Beiden bereits von 25 Helfer des THWs Hann. Münden erwartet. Sie werden die Unfallopfer in der bevorstehenden Übung im Tunnelspielen. Davor müssen sie jedoch zuvor von den professionellen Helferinnen der RUD des DRK Göttingen-Northeim hergerichtet werden.
So zögern Yvonne und Monika nicht lange, nachdem sie den mit Neonlicht durchfluteten Aufenthaltsraum der Baubaracke betreten haben. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde beginnen die zwei direkt mit den Schminkarbeiten. Je zwei Darsteller werden von der RUD ‚behandelt‘, während die anderen 24 „Opfer“ bei Kaffee, Cola und Gulasch warten.
In einer Dreiviertelstunde werden so Knochensplitter, Frakturen und tiefe Schnittwunden auf die Haut modelliert. Dann noch ein wenig Blässe ins Gesicht geschminkt, damit der Schock auch möglichst realistisch aussieht. Monika Zöllmer und Yvonne Schneckenberger haben bereits einige Erfahrungen mit der RUD. Sie bereiten regelmäßig Freiwillige für Opfer bei Rettungsübungen vor. „Du darfst dich auch übergeben“, sagt Yvonne zu Manuela Gallasch (26), als sie ihr eine schwere Unterschenkelfraktur aufschminkt. Manuela lacht und erklärt ihrer Freundin stolz die verschiedenen Verletzungen: Schädelhirntrauma, Armfraktur, Thorax-Trauma und die Unterschenkelfraktur.
Wenig später wird sie - umgeben von Qualm und Dunkelheit - ‚bewusstlos‘ in einem Autowrack im Heidkopftunnel liegen und darauf warten, dass sie von den Einsatzkräften aus Göttingen, Witzenhausen und Sachsen geborgen wird. Die anderen 25 „Verletzten“ werden sich auf weitere Unfälle im Tunnel verteilen. Zuvor müssen jedoch noch alle Darsteller vorbereitet werden. Gearbeitet wird bei der RUD mit Theaterschminke, Wachs und ganz normalem Babyöl. Die Verletzungen sehen absolut realistisch aus, damit die Helfer sich wie bei einem echten Einsatz fühlen.
Yvonne Schneckenberger und Monika Zöllner wurden über ihre Arbeit beim DRK-Göttingen auf die RUD aufmerksam und haben „dann einfach mal mitgemacht.“ Durch Schminkkurse in Einbeck lernten sie, Menschen in Unfallopfer zu verwandeln. Eine spezielle Ausbildung ist für die Arbeit nicht nötig. Das Resultat lässt sich nach wenigen Handgriffen erkennen. „Ich finde das faszinierend“, bestätigt Manuela Gallasch. Gut gelaunt und glücklich über ihre gelungene Unterschenkelfraktur macht sie sich mit den anderen auf den Weg in den Tunnel.